Montag, 13. Juni 2016

Heimat

Lotta fragt, was für uns Heimat ist. Eigentlich ist es für mich sehr klar, aber ich habe doch unterschiedliche Ansätze. Als junge Frau hatte ich schon mit dem Wort Probleme, weil das für mich Deutschtümelei bedeutete und immer noch "Nazibesetzt" war. Als Schülerin war ich 4 Wochen in einer schwedischen Familie, mein erster echter Auslandsaufenthalt. Ich habe wirklich geschluckt, dass fast an jedem Haus oder in jedem Garten die schwedische Flagge gehisst wurde. Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, in unserem Garten die deutsche Flagge zu hissen. Ehrlich gesagt, kann ich es mir immer noch nicht vorstellen, aber meine Einstellung hat sich doch deutlich entspannt. Das hat sicher damit zu tun, dass sich unsere Gesellschaft so offen entwickelt hat, und es gibt ja viel Positives in unserem Land.
Der Sänger Dietrich Fischer-Dieskau, der ja ständig auf Reisen war, hat einmal gesagt, dass Heimat für ihn da ist, wo seine Liebsten und seine Freunde sind.

Das Beste ist sicher, wenn beides zusammenkommt. Für mich ist jedenfalls mein Zuhause Heimat und bestimmte Besonderheiten der Landschaft, in der ich lebe. Das ist jedenfalls der Rhein, die Kopfweiden, die Niederrheinhöfe, die typischen Orte, sicher auch der Menschenschlag. Ich mag Leute, die einen schon beim Brötchenkaufen am Morgen anlächeln.



Die Kempener Burg, die Kempener Stadtväter haben eine sehr kluge Bebauungspolitik gemacht, so dass trotz der Kriegsschäden ein authentisches Stadtbild entstanden ist .Neues musste gebaut werden, aber Altes wurde erhalten.




Wir lieben Spaziergänge auf der Düsseldorfer Rheinpromenade, besonders an warmen Sommerabenden.


Ich liebe die Pferdeweiden im Naturschutzgebiet, das hier um die Ecke beginnt.



Ich erfreue mich an den schönen Vororten, die zu einem erheblichen Teil die alten Gebäude erhalten haben. Da merkt man, dass die Herren Politiker ganz vorsichtig sein mussten, um es sich nicht mit den Bewohnern zu verderben. In der Innenstadt reiht sich Bausünde an Bausünde.

Aber es gibt eben auch die vielen Parks, Geschenke der damals unermesslich reichen Seidenbarone.




Es kommt für mich weniger darauf an, in welcher Stadt ich lebe, als auf das Lebensgefühl, man merkt hier, dass die Bewohner nicht erst neuerdings eine bunte Mischung sind. Das Rheinland trägt immer noch die Spuren der Franzosenzeit unter Napoleon, die vielen Menschen, die über die Jahrhunderte über den Rhein gekommen sind. Der Fluss trennt bis zu einem gewissen Grad Industrie und Landwirtschaft. Auch die Nähe zu Holland spielt sicher eine Rolle.
Die vielen Künstler, die hier gewirkt haben und auch immer noch wirken, haben auch ihren Beitrag zu einem offenen Lebensgefühl geleistet: Mies van der Rohe, Campendonk, Beuys, Herbert Zangs und Adolf Luther mit ihrer Lichtkunst, die Museumsinsel Hombroich bei Neuss, Schloss Moyland usw..
Ich verabschiede mich mit einem Blick in den völlig verregneten Garten und einer meiner Lieblingsrosen. Da bin ich froh, dass ich hier so schön zuhause bin.



Das Schwarz-Weiß-Bild schicke ich zu Frauke.


Kommentare:

  1. Hallo Magdalena,
    zuerst mal herzlichen Dank für deinen Kommentar bei mir und so wurde ich auf dich aufmerksam und konnte mir mal deinen wunderschönen Blog mit etwas Zeit anschauen. Das ist wunderschön, was ich da sehe. So vielfältig ist dein Blog, das gefällt mir sehr.
    Ich werde dich in meine Blogroll aufnehmen, damit ich dich wieder finde.

    Zur Heimat, das hast du wundervoll beschrieben und ich finde, dass das Thema bei Lotta so toll war und man hier soviele neue Eindrücke gewinnen konnte. Jeder sieht Heimat etwas anders. Finde ich grandios das Thema.

    So nun gucke ich noch eine Weile und wünsche dir einen wunderschönen Abend.

    Lieben Gruß Eva

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    1. Danke für die netten Grüße und ich freue mich, wenn Du öfters vorbeikommst.
      LG
      Magdalena

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  2. Für mich ist Heimat erst richtig "wichtig" geworden, als ich nicht mehr dort gelebt habe und wir ins Ausland gezogen sind. Auf einmal werden Dinge, Orte und Menschen wichtig, die man vorher als selbstverständlich angesehen hat, man weiß erst manches richtig zu schätzen, wenn man es nicht mehr hat......Mein Zuhause ist jetzt hier in der Schweiz, aber meine Heimat wird immer Friesland bleiben, bzw. Deutschland.
    Danke für den schönen "Foto-Rundgang".
    Dir eine schöne Woche, Ophelia

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    1. Das ist wohl oft so, dass man Dinge erst zu schätzen weiß, wenn man sie nicht mehr hat. Aber Du bleibst ja Friesin. Friesland ist eine Gegend, die ich auch sehr liebe. Die Schweiz ist ja auch nicht schlecht.
      LG
      Magdalena

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  3. In der Ecke würde es mir auch gefallen zu leben, liebe Magdalena. Ich mag diese idyllischen gewachsenen Orte,
    die wunderschönen alten Häuser und die Natur rundherum. Mein Mann und ich waren früher auch oft in Xanten
    und der Umgebung. Ich bin hier in der Innenstadt geboren und leben immer noch fast am gleichen Fleck, aber
    gefallen tut mir die alte Innenstadt leider gar nicht mehr. Alle schönen Geschäfte sind ins CentrO gezogen und
    geblieben sind leerstände und Billigläden. Und da Oberhausen pleite ist, wird an allen Ecke gespart und vieles verkommt regelrecht.
    Liebe Grüße
    Sigi

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    1. Ja, das ist ein Problem, das ich kenne. Es ist so deprimierend, wenn man sieht wie es bergab geht. Aber vielleicht bessert es sich ja auch nochmal.
      LG
      Magdalena

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  4. Liebe Magdalena, schöne Heimatgefühle beschreibst du- ja ich lebe auch gern in unserer NRW-Ecke, in den Rheinauen von Kaiserwerth und in Meerbusch waren wir vor kurzem- ein Lieblingsort ist für mich die Museumsinsel Hombroich, ich liebe die Vebindung von Kunst und Natur, immer ein Besuch wert !!!
    In Kempen waren wir noch nicht, steht jetzt auf unserem Plan,
    einen schönen Abend sagt
    heiDE

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    1. Wenn ihr nach Kempen fahrt, schaut euch auch das Gut Heimendahl(auch genannt Haus Bockdorf)an oder im Nachbarort Grefrath das Freilichtmuseum.
      Viel Spaß!
      Magdalena

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  5. Liebe Magdalena,
    wass für wunderschöne Fotos.Ich bin dir heimlich gefolgt
    und konnte mich an Vielen erfreuen.
    Für mich ist Heimat da, wo ich mich wohlfühle.
    Einen angenehmen Abend wünscht dir
    Irmi

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    1. Da hast Du recht, der schönste Ort hilft nicht, wenn es keine netten Menschen gibt.
      LG
      Magdalena

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  6. Danke für diesen wunderbaren Einblick. Deine Bilder dazu sind sooo schön! LG Lotta.

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  7. "Bunte Mischung", "offenes Lebensgefühl" und nein, keine deutsche Flagge im Garten, Künstler, Rheinland - ja, da wird mir auch heimatlich zumute. Wunderbare sprechende und tolle Bilder hast du ausgesucht ;-). Kempen und Düsseldorf, die kenne ich noch nur dem Namen nach. Die Geburtstadt meiner Eltern, Köln, immerhin schon ein bisschen besser. Dankeschön für diesen sich auch für mich irgendwie heimatlich anfühlenden Ausflug. Lieben Gruß Ghislana

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    1. Schön, dass es Dir gefallen hat. Wenn Du nach Düsseldorf kommst, melde Dich. Ich hab's nicht weit.
      LG
      Magdalena

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  8. Liebe Magdalena,
    wie schön du das beschrieben hast, was Heimat ist. Für mich ist es dort, wo ich mich wohlfühle und wo liebe Menschen um mich herum sind, die ich mag und die mich mögen.
    Liebe Grüße
    Astrid

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    1. Da hast Du völlig Recht. Mit unangenehmen Leuten in der Umgebung würde ich wohl eher die Flucht ergreifen.
      LG
      Magdalena

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  9. Schöne Fotos, schöner Beitrag!
    Danke dafür

    liebgrüßt
    Martina

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  10. Ich mag die Rheinländer genau wegen ihrer offenen und lebensfrohen Art. Schön, dass du in deiner Heimat bleiben durftest...es fühlt sich weniger gut an, in einer Gegend wohnen zu müssen, die eine andere Kultur hat...als die eigene.
    LG Sigrun

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  11. Eine deutsche Flagge im Garten, undenkbar. So wurden wir erzogen. Ohne Stolz auf unser Land. Nein, ich würde mir keine Fahne hin- oder aufhängen. Aber ich bin schon stolz.
    Deine Heimat ist schön. Und ich muss dringend mal wieder hin. Die Art der Rheinländer ist einfach zu nett.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  12. Die Stadtansicht in Schwarz-Weiß wirkt sehr idyllisch :-)
    viele Grüße, Jaelle

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  13. Schön, dein Heimatpost! So viele wunderbare Orte, die für dich Heimat bedeuten, dir ein gutes und schönes Gefühl geben.
    Ein feiner Post!

    Heute Morgen war alles Grau. Und Nass. Aber zum Abend hin, da sich wirklich Blau in den Himmel geschlichen! Der ersehnte Regen ist nicht so üppig ausgefallen, wie es andernorts war, aber immerhin besser als gar kein Regen.

    Kannst du beim nächsten Mal bitte den Post verlinken, der zum SchwarzWeissBlick führt? Das ist ganz einfach: Du klickst auf die Titelzeile des Posts und dann steht oben die url des angeklickten Beitrags. Die kopierst du dann und fügst sie in die Zeile beim Link up ein. Dann bin ich beim nächsten Mal gleich dort, wo dein wunderbarer SchwarzWeissBlick zu finden ist!

    Liebe Grüße und hab morgen einen wunderbar blauen Himmel ... Frauke

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