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Donnerstag, 14. September 2017

Wie...

war es möglich? Wir haben doch nichts gewusst.

Diese Sätze haben die deutsche Gesellschaft in der Nachkriegszeit geprägt.
Von nichts gewusst?
- wenn der Nachbar plötzlich verschwindet?
- wenn der Kollege plötzlich entlassen wird?
- wenn der beliebte Hausarzt nicht mehr praktizieren darf?
- wenn das angesehene Wäschegeschäft plötzlich einen neuen Besitzer bekommt?
- wenn die jüdischen Kinder die Schule verlassen müssen?
- wenn Andersdenkende niedergeschrien werden?
- wenn Gotteshäuser angezündet werden?
- wenn Bücher berühmter Dichter und Denker öffentlich verbrannt werden?
- wenn gegen eine gesellschaftliche Gruppe in nie dagewesener Hetze Stimmung gemacht wird?
- wenn mehreren Gruppen der Gesellschaft ohne jede Scham ihr Menschsein abgesprochen wird?

Nichts gewusst?

Wer einmal das Lager Buchenwald oberhalb von Weimar besucht hat, der weiß, das damals jeder Bewohner von Weimar gewusst haben muss, was sich in Buchenwald abgespielt hat. Es muss bis in die Stadt gestunken haben. So weit ist das Lager nicht weg.
Es haben alle gewusst! Aber sie haben weggeschaut.

Wie ist es möglich?

- dass in unserem Land Nazis auf der Straße geifern dürfen ohne dass ein Sturm der Entrüstung durch   die Gesellschaft geht?
- dass eine rassistische volksverhetzende Partei Chancen hat, 3.stärkste Fraktion im Bundestag zu          werden?
- dass viele Bürger gar nicht zur Wahl gehen?
- dass genau diese Bürger sich bitter beklagen, dass die Politik nicht so ausfällt, wie sie es wünschen?
- dass an deutschen Stammtischen offen gegen Ausländer gepöbelt wird?
- dass Vertreter einer rechtsradikalen Partei schamlos Lügen verbreiten und die Abschaffung des Rechtsstaates fordern und sie dennoch Chancen haben, gewählt zu werden?

Wir erleben gerade, wie es möglich war und ist. Es ist möglich, wenn der Pöbel die Herrschaft über die Straße bekommt. Es ist möglich, wenn der satten und bequemen Gesellschaft die Verteidigung der Freiheit zu unbequem wird.

Denk ich an Deutschland in der Nacht,
dann bin ich um den Schlaf gebracht...
Heinrich Heine

Heute kam im Radio die Nachricht, dass Facebook rechtsradikale Seiten besonders gerne und häufig weiterempfiehlt. Angeblich handelt es sich um ein Versehen.

Hinschauen, Hinterfragen, Widersprechen, Wählen!!!

Schmunzeln mit Magenschmerzen





Kommentare:

  1. Buchenwald und Weimar -nie ist mir deutlicher geworden, wie verlogen unsere Altvorderen waren...
    Danke für deine unermüdlichen Statements!
    Astrid

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  2. ein guter Beitrag von diesen weg schauen, wie die drei Affen nichts hören nichts sehen nichts sagen!!!
    Ich hoffe, dass gewählt wird mehr wie nie zu vor!!!
    Lieben Gruss Elke

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  3. Ich bin aufgewachsen Osthofen - in Anna Seghers Siebtem Kreuz nennt sie es Westhofen. Alle wussten davon. Und wussten von Deportationen, denn der Ort liegt direkt an der Bahnlinie Mainz-Mannheim. Worms ist 10 km entfernt - eine der größten jüdischen Gemeinden damals. Meine Großmutter erzählte, wie ihre Lehrerin Herta Mansbacher in der Reichskristallnacht versuchte die Synagoge zu schützen - ihr Mut hat viele beeindruckt und was passierte, war allen klar. Und die meisten schwiegen/duckten/freuten sich klammheimlich/übernahmen jüdische Geschäfte. Als in der früher Achtzigern Menschen anfingen sich stark zu machen für eine KZ Gedenkstätte Osthofen, waren die ablehnenden Leserbriefe im Ortsblättchen der beste Anzeiger für Altnazis. Meine Mutter konnte sie alle mit Namen benennen. Wie es möglich ist, dass dieses Gedankengut fröhlich wieder wuchert? Es war nie weg. Es war in der Schuld- und Aufarbeitungskultur ein paar Jahre verstummt, jetzt wird es wieder salonfähig - was für mich ein Ding der Unmöglichkeit und der endlosen Empörung ist - und sie kriechen Alle wieder aus den Löchern - und die jungen Vernagelten schreien brüllen pöbeln es heraus, weil keiner ihnen energisch genug aufs Maul sch/haut. Im Gegenteil da wird Verstehensgelaber gelabert, statt Kante zu zeigen, Annäherung, bis es weh tut, geübt, statt klar zu sagen, Leute so nicht. Die Trolle sind los. Wie Hagen Rether sagt: "Geht wählen. Wählen ist wie Zähneputzen. Tut man es nicht, wird's braun". Ich danke dir für Deinen post! Abendgrüße, Eva

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