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Mittwoch, 23. Januar 2019

Niederrhein 3/2019

Mein Mann hatte in Düsseldorf zu tun. Da bin ich kurz entschlossen mitgefahren und wir haben einen kleinen Bummel unternommen. Kommt einfach mit auf einen kleinen Rundweg.





Das Glasdach in den Schadowarkaden




An der Kö, wo man die sehr übersichtlichen Auslagen überkandidelter Luxusläden bewundern darf, wenn man es denn möchte. Braucht ihr noch ein kleines Glitzertäschchen für 2500€? Nix wie hin.




Die Weihnachtsbeleuchtung ist natürlich inzwischen verschwunden.


Der Prachtbau des Verwaltungsgerichtes




Kleine Hingucker in der Altstadt.



Eine Gedenktafel an Clara und Robert Schumann.


Das Heinrich Heine Institut


Der Eingang zum Marionettentheater, das ich allen wirklich ans Herz lege. Es ist gerade für Erwachsene ein absolutes Highlight.



Beim Uerigen sammeln sich im Sommer bei schönem Wetter regelrechte Menschenmassen. Spass muss sein!




Der Platz vor dem Rathaus mit dem Jan-Wellem-Denkmal








Die Neanderkirche mitten in der Altstadt


Das Heine Haus mit einer sehr lohnenden Buchhandlung

Es gibt noch viel mehr zu schauen. Darüber berichte ich nach und nach.

Jetzt gibt es noch einmal ein paar Informationen zum Brexit. Das Lesen ist absolut freiwillig!


Backstop
Was ist das? In Sachen Brexit ist ständig vom Backstop die Rede. Vereinfacht gesagt handelt es sich um eine Art Sicherheitsregelung für die nordirisch-irische Grenze. Der Backstop besagt, dass Großbritannien in der Zollunion der EU bleibt und Nordirland zusätzlich noch im europäischen Binnenmarkt, wenn es in der Übergangsphase nicht gelingt, ein gemeinsames Handelsabkommen zu schließen. So soll der freie Warenverkehr gesichert und Grenzkontrollen verhindert werden. Der Backstop soll unbefristet sein. Er gilt so lange, wie es kein gemeinsames Handelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien gibt. Er kann nicht von einer Seite gekündigt werden. Warum gibt es so viel Widerstand gegen diese Regelung?
Die Briten haben Sorge, dass sie wegen dieser Regelung sozusagen in der EU festsitzen. Großbritannien dürfte keine neuen Handelsabkommen abschließen und müsste sich an die EU-Regeln halten. Die EU befürwortet den Backstop, weil so der freie Handel gesichert wird und vor allem soll die Republik Irland geschützt werden.
Es gibt erhebliche Sorge, dass der Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten wieder auflebt, wenn die Grenze wieder dicht gemacht wird. Die katholische Bevölkerung in Nordirland hat lange von einer Wiedervereinigung mit der Republik Irland geträumt. Dieser Traum ist sozusagen auf stillem Wege gekommen durch die Mitgliedschaft in der EU.

Was man hier sehen kann? Die Konflikte mehrerer Jahrhunderte leben wieder auf, wenn der Gedanke der Gemeinsamkeit, der konstruktiven Zukunftsgestaltung nicht mit Leben gefüllt wird.
Der Irlandkonflikt hat seinen Ursprung im 17.Jh. als unter der Herrschaft Charles I. die Besiedelung vor allem Nordirlands durch protestantische Schotten und Engländer begann, der sog. Plantation Ära. Der katholischen Bevölkerung Irlands wurde das Land genommen. Diese Politik gipfelte im Laufe der Jahrhunderte in Regelungen, die den Katholiken öffentliche Ämter, Landeigentum untersagte. Diese Einschränkungen durchdrangen das gesamte gesellschaftliche Leben.
Geradezu traumatisch für die irische Gesellschaft sind die Geschehnisse im Rahmen der großen Hungersnot im 19.Jh. . Trotz der kaum zu beschreibenden Not wurden Lebensmittel aus Irland exportiert. Die britische Regierung sah keinen Anlass, die Not zu lindern. Vor allem die Großgrundbesitzer müssen sich gnadenlos aufgeführt haben. Diese Not führte zu einer riesigen Auswanderungswelle in die USA.

1916 kam es zum sog. Osteraufstand in Dublin. Die Republik Irland wurde ausgerufen, aber nach 5 Tagen wurde der Aufstand durch britische Truppen niedergeschlagen. Die Anführer wurden hingerichtet. Genau das führte dazu, dass die Sinn Fein Partei riesigen Zulauf bekam. Bei den Wahlen 1918 gewann die Partei 80% der irischen Mandate. Die Abgeordneten nahmen nicht ihre Sitze im Parlament ein, sondern riefen die Republik Irland aus. Das führte zum irischen Unabhängigkeitskrieg von 1919 bis 1921.

Nach langen Verhandlungen wurde 1921 der anglo-irische Vertrag geschlossen. Der Süden Irlands erhielt den Status eines Freistaates innerhalb des britischen Empires. 1948 wurde die Republik Irland ausgerufen. Das Ziel der Politik der Republik Irland war immer die Wiedervereinigung. Es kam zu jahrzehntelangen gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Unionisten. Erst das Karfreitagsabkommen von 1998 brachte eine erste Beruhigung.
Die Mitgliedschaft beider Staaten in der EU hat den Friedensprozess deutlich befördert.die Grenzen waren offen. Europäisches Recht galt überall.
Die Mehrheit der Nordiren hat sich für einen Verbleib in der EU ausgesprochen. Jetzt gibt es Sorge, dass sich eine Mehrheit der nordirischen Bevölkerung für die Vereinigung mit der Republik Irland ausspricht, weil sie in der EU bleiben wollen. Wenn der ungeregelte Brexit kommt, ist zu befürchten, dass Irland in schlimme alte Zeiten zurückfällt.

Irland ist ein gutes Beispiel dafür, dass die EU ein Friedensprojekt ist.

Am Dienstag ist in Aachen die deutsch-französische Freundschaft noch einmal neu besiegelt worden. Mir fehlt jedes Verständnis für Menschen, die dagegen protestieren. Marine Le Pen palavert schon eifrig mit den üblichen Lügen, im Elsass müsse wieder Deutsch gesprochen werden, Macron besiegele die deutsche Vorherrschaft..... In der Berichterstattung kam eine Frau zu Wort, die völlig außer sich war, weil es nicht gehe, dass Deutschland und Frankreich bestimmen, was in der EU passiert. Da konnte man gut sehen, was mangelnde Sachkenntnis anrichtet. Offensichtlich weiß diese Dame nicht, wie die Gesetzgebung in der EU funktioniert. Die meisten Brexitbefürworter wussten es auch nicht. Es gibt in der EU nicht eine einzige Regelung, egal auf welcher Ebene, die nicht von ALLEN Mitgliedern mit verabschiedet wurden. Die Regeln sind umfassend und gut durchdacht. Änderungen sind nur im Konsens möglich.
Es ist eine herausragende europäische Leistung, dass das möglich ist.  Einige osteuropäische Staaten müssen allerdings noch lernen, dass es nicht nur um die Geldtöpfe geht.

Angst und Engstirnigkeit sind immer schlechte Begleiter, im privaten Leben wie im politischen.

Wer sich für die irische Geschichte interessiert, dem empfehle ich das Buch von
Edward Rutherfurd: Dubliners. Es gibt dieses Buch schon einige Jahre, es lohnt sich.


Kommentare:

  1. Düsseldorf ist sehr schön. Ich war einmal aus beruflichen Gründen dort und bin nit kurz durchgeschlendert. Deine Bilder sind toll. Zum Brexit: Ich hoffe, dass man in der Frage der Grenze UK/IRE Lösung findet...

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  2. an deiner düsseldorf-tour haben mir heine und die schumanns am besten gefallen! das glitzertäschchen wünsche ich mir dann zu weihnachten ;)))! danke für deinen weiteren brexit-bericht - wieder sehr informativ!
    lieben gruß von mano

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  3. Ich danke dir, liebe Magdalena, dass es wieder geschafft hast zum Brexit solch einen intensiven Bericht zu formulieren. Mir brennt das Thema soooo auf der Seele, doch ich schaffe es zur Zeit nicht, mich mit Worten und Posts zu befassen. Deshalb noch einmal Danke für deine Inforamtionen. Den Buchtipp habe ich gespeichert.
    Gruß zu dir- und Düsseldorf ist immer einen Ausflug wert!!
    heiDE

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