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Samstag, 19. Januar 2019

Woche 3/2019

Heute ist wieder Kaffeeklatsch bei Andrea. Diese Woche habe ich viel genäht und gestrickt. Bei dem nasskalten Wetter war das genau richtig.
Endlich entwickelt sich auch das erste Album unserer Traumreise. Hier habe ich angefangen, darüber zu berichten. Ich werde die Berichte auch bald fortsetzen.




Bald geht es an die Nordsee, dafür brauchte ich eine Mütze. Ich bin nicht so ein Mützenträger, aber im Wind an der See muss sie sein.


Ich habe gerne den warmen Kamin genossen und mich über die wachsenden Hyazinthen gefreut.



Für die, die es interessiert:
Aufgeregt habe ich mich über den Politwahnsinn in London. So viele Leute fragen mich, ob ich noch irgendwas verstehe. Da bin ich mir inzwischen nicht mehr so sicher. Aber es gibt ein paar grundsätzliche Dinge, die helfen können, die Vorgehensweise zu verstehen.

1. Der Deal, über den das Parlament jetzt abstimmt, bzw. den das Parlament abgelehnt hat, ist zunächst einmal nur die Einigung darüber, dass Großbritannien die EU verlassen darf. Das geht zurück auf den Vertrag von Lissabon. Die Mitglieder der EU können die Gemeinschaft verlassen, haben sich aber an die vertraglichen Regeln zu halten. Diese legen u.a. fest, dass spätestens nach 2 Jahren nach Erklärung des Austrittswillens der Austritt stattfinden muss, im Idealfall mit einer entsprechenden Vereinbarung. Sollte keine Einigung zustande kommen, findet der Austritt dann ungeregelt statt. Der Sinn dieser Vereinbarung besteht darin, dass ein Austritt sich nicht über Jahre hinzieht.
2. Man muss sich vor Augen halten, dass die Vereinbarungen ein riesiges Gesetzeswerk betreffen. Allen Vereinbarungen müssen alle anderen EU-Staaten zustimmen, d.h. jedem Gesetz, jeder Regelung. Der EU Verhandlungsführer Michel Barnier hat sehr früh die englischen Vertreter darauf hingewiesen, dass das Vertragswerk sehr umfangreich ist und die Zeit drängt. Diese Botschaft ist bei den Vertretern Großbritanniens nicht wirklich angekommen.
3. Wenn ich die Äußerungen der britischen Politiker höre, kann ich die Unbedarftheit kaum glauben. Auch der Vorsitzende der Labour Partei möchte den Austritt und behauptet, er könne nach Neuwahlen innerhalb von 2 Wochen einen viel besseren Deal mit der EU aushandeln. Auf welchem Stern lebt er?
4. Bei einem harten Brexit gibt es keine Regelungen für den Handel, für die Fluglizenzen, für das Arbeitsrecht, für die Forschung, für das Aufenthaltsrecht, für das Familienrecht...  Die Reisefreiheit endet, d.h. man braucht für die Reise nach Großbritannien bzw. aus Großbritannien in die EU ein Visum. Also endet für die Briten z.B. die Möglichkeit, mal schnell einen Wochenendtrip nach Mallorca zu unternehmen. Diese Unsicherheit führt dazu, dass allein aus dem Bekanntenkreis meiner Kinder ca. ein halbes Dutzend die deutsche Staatsangehörigkeit beantragt haben. In der Republik Irland sind inzwischen Hunderte von Einbürgerungsanträgen gestellt worden.
5. Bisher fahren täglich ca. 10000 Lastwagen nach England bzw.  von England über den Kanal. Jetzt dauert die Abfertigung kaum 1 Minute, denn es braucht ja keine Zollabfertigung. Wenn es zum harten Brexit kommt, muss alles verzollt werden, d. h. Einfuhr- Ausfuhrpapiere usw.. Dadurch dauert die Abfertigung natürlich länger. Wenn die Abfertigung nur 3-5 Minuten dauert, entwickeln sich innerhalb 1 Stunde in England ca. 30 km Stau. Das Problem immerhin haben die Briten erkannt. Die Autobahn Richtung Dover wird zu einem 50 km langen Parkplatz ausgebaut.
6. Die Küstenstadt Ramsgate, die einen ziemlichen Niedergang erlebt hat, hoffte darauf, vom Brexit zu profitieren. Der alte Hafen sollte ausgebaut werden. Dann könnte der Hafen Dover entlasten. Leider muss der Hafen von Ramsgate erst ausgebaggert werden, aber bis zum heutigen Tag ist noch kein einziger Bagger aufgetaucht.
7. Die britische Regierung hat eine Firma mit dem Ausbau der Fährverbindungen beauftragt, die noch nie etwas mit Fährlogistik zu tun hatte und noch nicht einmal Schiffe besitzt.
8. Zahlreiche britische Firmen sind für ihre Produktionen auf Zulieferungen aus den anderen EU Staaten angewiesen. Diese Lieferungen fallen erstmal weg, denn es gibt keine Ein- und Ausfuhrregelungen. Das gilt für die europäischen Firmen natürlich auch, allerdings haben die mehr Ausweichmöglichkeiten.
9. Aus Großbritannien hört man die vollmundigen Versprechen, man könne ja neue Verträge mit außereuropäischen Ländern schließen. Das ist leider ein Irrtum. Der internationale Handel wird durch die Welthandelsorganisation geregelt. Das Aushandeln neuer Verträge dauert im Durchschnitt 3-7 Jahre. Dieses Aushandeln kann aber erst beginnen, wenn die alten Verträge mit der EU entsprechend den Regeln beendet sind, bzw. England muss neue Konditionen bei der Welthandelsorganisation beantragen. Vor allem die britische Autoindustrie ist extrem abhängig von Zulieferungen aus EU Staaten. Kommt es zu einem harten Brexit, muss auf diese Teile Zoll gezahlt werden. Der EU ist es auch nicht erlaubt, den Briten Sonderkonditionen zuzugestehen. Das möchten alle Nicht EU Staaten dann auch. usw., usw.
10. Fluglizenzen erlöschen mit dem Tag des harten Brexit.
11. Forschungsgelder bei internationalen Projekten fallen weg.
12. Briten, die in der EU leben, haben keine Aufenthaltsgenehmigung mehr. Das Gleiche gilt für EU-Bürger, die in GB leben. Es gibt zwar wohlmeinende Absichtserklärungen, aber es entsteht ein rechtliches Vakuum.
13. Fördermittel der EU, die die britische Landwirtschaft gerne in Anspruch nimmt, fallen weg.
14. Das ganz große Problem ist die irische Grenze. Durch die gemeinsame Mitgliedschaft in der EU war der belastende Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten zur Ruhe gekommen. Nordirland ist keine wirtschaftlich starke Region, aber in den letzten Jahren ist es bergauf gegangen. Wenn die Grenze zur EU Außengrenze wird, fallen die grenzübergreifenden Arbeitsplätze weg, der ganz normale regionale Handel im Grenzgebiet fällt weg. Es wird nicht lange dauern bis der Konflikt wieder auflodert. Die Nordiren haben mehrheitlich gegen den Brexit gestimmt.
Die EU hat mit der britischen Regierung eine Übergangslösung erarbeitet.

Aber das britische Parlament will nicht zustimmen. Allerdings, niemand weiß, was sie wollen. Ein irischer Journalist hat wohl zutreffend festgestellt, dass im Rahmen des Brexit ein britisches Problem deutlich geworden ist: sie leben rückwärtsgewandt im Gedanken an das vergangene Empire und bei den Iren und wohl auch den Schotten hören sie einfach nicht zu.

Ein spezielles Problem der britischen Politikarbeit besteht darin, dass es keine geschriebene Verfassung, sprich ein dokumentiertes Regelwerk, gibt. Alle Regularien müssen aus Präzedenzfällen entwickelt werden. In der Praxis heißt das, dass Entscheidungen in einem allgemein schwammigen Kontext gefunden werden müssen. Eigentlich habe ich England immer als die Wiege der Demokratie betrachtet, weil schon im 13. Jh. mit der Magna Charta der erste Schritt zur Gewaltenteilung dokumentiert wurde. Aber es wurde nie eine Verfassung entsprechend unserem Grundgesetz aufgeschrieben. Das Common Law bietet eine juristische Grundlage, aber die ist sozusagen ständig in Bewegung. Um es mal flapsig zu sagen: haben wir bisher so gemacht, müssen wir aber nicht weiter so machen.

Aus dem ganzen Debakel kann man eines lernen: wenn selbstgefällige Populisten in verantwortungsloser Wichtigtuerei mit kaum zu überbietender Arroganz ein demokratisches System zerstören wollen, dann ist jeder Bürger aufgerufen, sehr achtsam zu sein. Es ist davon auszugehen, dass die meisten der Bürger, die für den Brexit gestimmt haben, gar nicht wussten, was sie damit anrichten. Die Populisten hatten gehofft, die EU zu schwächen und so ideale Bedingungen für den Austritt auszuhandeln. Jetzt stehen sie ziemlich fassungslos vor der Tatsache, dass die 27 Staaten geschlossen agieren. Der Slogan ist immer "Wir wollen wieder frei sein." Was für eine Freiheit soll das sein? Sie isolieren sich und schränken sich ein. Chancen werden mit Füßen getreten. Inzwischen ist auch nachgewiesen, dass Russland gezielt Einfluss auf das Referendum genommen hat, genauso wie in den USA.

Die Verarmung großer Teile der britischen Bevölkerung schreitet voran und die Weltgesundheitsorganisation hat dem englischen Gesundheitssystem ein denkbar schlechtes Zeugnis ausgestellt.

Im Mai sind die Europawahlen. Sie sind extrem wichtig, wenn wir unseren Lebensstandard behalten wollen. Europa ist nicht nur ein Wirtschaftsprojekt, ein starkes Europa ist ein Friedensgarant. Steve Bannon macht sich übrigens gerade auf, die Rechtsradikalen in Europa zu unterstützen.

Als die Familie hier Weihnachten  zusammen saß, sagte der älteste Sohn: Hier sitzen seit ungefähr 800 Jahren zum erstenmal 3 Generationen zusammen, die noch nie einen Krieg erlebt haben. Dabei muss man hinzufügen, dass mein Mann Ende des Krieges fast ein Jahr alt war. Aber daran hat er natürlich keine Erinnerung. Allein diese Tatsache muss uns alle motivieren, uns für Europa einzusetzen und den Populisten eins auf's  M.... zu geben.

Freitag, 18. Januar 2019

Friday-Flowerday 3/2019

Bei all dem Grau musste etwas Frühling sein und die Frühlingsgrüße schicke ich zu Helga.





Macht euch frühlingshafte Gedanken!

Donnerstag, 17. Januar 2019

Niederrhein 2/2019

Immer mal wieder habe ich hier den Niederrhein vorgestellt, die Landschaft, besondere Orte und besondere Persönlichkeiten.
Heute möchte ich euch das Haus der Seidenkultur vorstellen. Krefeld war lange, vor allem im 19. Jh. und in der ersten Hälfte des 20.Jh. Zentrum der Textilindustrie, ursprünglich entstanden durch den Flachsanbau am Niederrhein und die Leinenweberei. Später entwickelte sich durch Kontakte nach Vorderasien und Ostasien die Seidenverarbeitung.
Wichtige Gebäude in Krefeld sind die ehemaligen herrschaftlichen Häuser der sog. Seidenbarone, u. a. das heutige Rathaus. Aber das eigentliche Denkmal haben sich die Seidenbarone durch ihre Parkstiftungen gesetzt. Darüber habe ich u.a. schon einmal hier berichtet.

Heute geht es mir um ein ganz kleines Museum, das durch viel ehrenamtliches Engagement entstanden ist. Ursprünglich handelte es sich um eine Paramentenweberei, d.h. eine Weberei, die Priestergewänder und andere kostbare liturgische Textilien herstellte. Heute kann man dort die alten Webstühle bewundern und erfährt bei einer Führung viel Wissenswertes über die Geschichte der Weberei, über die Technik und die künstlerische Entwicklung. Aus der Textilindustrie ist die Fachhochschule Niederrhein entstanden, die einen weltweit hervorragenden Ruf genießt.
Aber zurück zum Haus der Seidenkultur: Anfang des 20.Jh. gab es sogar eine sehr erfolgreiche Dependance in Chicago. Aber nach dem 2. Weltkrieg ging es immer mehr bergab, u.a. durch das 2. Vatikanische Konzil, bei dem den Priestern etwas mehr Bescheidenheit verordnet wurde. Die Aufträge für die prachtvollen Gewänder blieben aus. Wie so oft gab es auch bei den Eigentümern familiäre Probleme, die zum Niedergang führten.
Man kann den Ehrenamtlern nur danken, dass sie dieses Haus erhalten haben. Wir hatten mit unseren Freunden 2 sehr unterhaltsame Stunden.


Seidengarne entsprechend den Farben des Kirchenjahres geordnet,









Lochkarten, die das Muster führen, wurden vom Patroneur hergestellt. Seine Vorlage bekam er vom Musterzeichner, Berufe, die es so heute nicht mehr gibt.


die Fäden müssen alle von Hand aufgezogen werden,


Fehler sind nicht erlaubt, es gibt eine spezielle Technik, einen Faden wieder anzuknoten. Ihr kennt ja sicher das Wort "ich habe den Faden verloren", das kann den gesamten Musterverlauf ruinieren.


Früher gab es hier viele Heimwebereien. Die Weber holten sich das Material, den Kettbaum und das Garn in der Weberei ab und arbeiteten zuhause. Alles wurde abgewogen, also war es unmöglich, Garn für den eigenen Gebrauch abzuzweigen. Die Armut war groß und als im 19.Jh. die Industrialisierung einsetzte, kam es auch hier zu einem Weberaufstand.


Dem Weber, der den Kettbaum schleppt, ist ein Denkmal gesetzt worden.
Heute liegt der Schwerpunkt der Textilindustrie bei der Herstellung von Spezialstoffen, z. B. brandsichere Textilien.

Was mich sehr freut: junge Studierende möchten das alte Handwerk erhalten. Sie haben im Haus der Seidenkultur die alten Techniken erlernt und haben zum Bauhausjahr ein Stoffmuster entworfen, das jetzt im Haus der Seidenkultur in die Produktion gehen soll.


Art. aus der Rheinischen Post vom 17.1.2019


Im kleinen Museumsshop kann man kostbare Schals, Westen usw. erwerben, aber auch kleine Rollen mit Stoffresten. Da konnte ich nicht widerstehen.
Darüber, was Krefeld mit dem Bauhaus verbindet, werde ich noch extra berichten.

Dienstag, 15. Januar 2019

Restefest 1/2019

Marion sammelt Resteideen. Da bin ich dabei, denn hier muss abgebaut werden. Da bin ich natürlich glücklich dran, weil im April unser 5. Enkelkind erwartet wird. Für die anderen Enkelkinder reichen die kleinen Stücke nicht mehr. Am schlimmsten sieht es in meinen Wollkisten aus. Ich bringe es einfach nicht fertig, die Reste zu entsorgen.






2 Jäckchen, 1 Mütze, 2 Paar Schühchen
gebraucht habe ich ca. 80g beige Wolle und einen hellblauen Rest. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es für so viel reicht. Beim Stricken hatte ich fast das Gefühl, es wird immer mehr.Aber jetzt ist nur noch ein klein wenig hellblau übrig. Die Muster sind übrigens alle von mir.



Aus einem Mini-mini-Rest ist noch ein Puppenpulli entstanden.